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    Corona-Pandemie: Hygieneschutz

     

    Gerhard Danzl
    1. Vorsitzender


Über Juden klagt man bitter 10/20

von Kurt O. Wörl

Mit Frau Daniela F. Eisenstein, Direktorin des Jüdischen Museum Frankens, hatten wir gestern eine kompetente Referentin, für einen Vortrag über das jüdische Leben in Fürth, vom 16. bis ins 19. Jahrhundert, gewinnen können.

Mit vielen Fakten ließ sie sehr kurzweilig vor unsere Augen das außergewöhnliche Entstehen und die Geschichte der jüdischen Gemeinde in dieser Zeit Revue passieren. Fürth habe bald zurecht auch die Bezeichnung „fränkisches Jerusalem“ erhalten, auch, weil das jüdische Leben sich dort, wegen günstiger politischer Entwicklungen, in besonderer Weise gut entfalten konnte. Freiheitlicher und toleranter seien die Verhältnisse in Fürth als in jeder anderen bayerischen Stadt gewesen. Beigetragen dazu habe zum einen, dass Franken noch nicht nach Bayern eingegliedert war und zum anderen, dass in Fürth gleich mehrere Fürstenzuständigkeiten gegeben waren, welche die Ansiedlung jüdischer Mitbürger unterstützt hätten, während der Nürnberger Magistrat 1499 die Juden aus der Stadt vertrieben hätte.

Anfangs des 16. Jahrhunderts habe der Markgraf von Brandenburg-Ansbach – mit Erfolg – eine dauerhafte Ansiedlung in Fürth gefördert, obwohl Juden dort höher besteuert wurden. Die jüdische Gemeinde blühte auf und es entstanden viele jüdische Institutionen, wie eine Talmudschule, mehrerer Synagogen usw.

Auch die Vertreibung der Juden aus Wien, Ende des 17. Jahrhunderts, brachte der jüdischen Gemeinde in Fürth weiteren Zulauf wohlhabender Juden und bereitete ihr eine Blütezeit. Sie habe sogar eine eigene Gerichtsbarkeit und eine weitgehend autonome Verwaltung durch die Rabbiner gehabt. Erst nach der Eingliederung Frankens ins Königreich Bayern 1806 habe sich die Situation der jüdischen Gemeinden wieder verschlechtert, auch in Fürth. 1813 erließ Bayern ein Edikt, das der jüdischen Gemeinde ihre Autonomie wieder nahm und zudem die Zahl zulässiger jüdischer Haushalte einschränkte. Außerdem wurde verlangt, dass Rabbiner künftig ein Hochschulstudium nachweisen müssten. Alles zusammen habe viele, vor allem junge Fürther Juden, zum Auswandern bewogen.

Frau Eisenstein berichtete auch, dass im erwähnten Geschichtsraum in Fürth ein modernes, liberales Judentum gepflegt worden und die Orthodoxen in der Minderheit gewesen seien. Die Gemeinde bemühte sich auch sehr, sich in die Fürther Gesamtgesellschaft zu integrieren.

Heute seien die jüdischen Gemeinden mehr von den osteuropäischen, vor allem aus Russland und aus der Ukraine eingewanderten, orthodoxen Mitgliedern geprägt.

Nach dem Vortrag hatten wir die Gelegenheit, Fragen an Frau Eisenstein zu stellen. Man wollte wissen, ob es zuträfe, dass Fürth von den Alliierten im 2. Weltkrieg nicht bombardiert wurden wäre, weil sie gewusst hätten, dass dort „viele“ Juden lebten. Das gehörte zwar nicht direkt zum Vortragsthema, welches das 16. bis 19. Jahrhundert behandelte, aber diese, sich hartnäckig haltende Legende konnte die Referentin mit guten Argumenten widerlegen. Zum einen sei auch Fürth, dort wo wichtige Infrastruktur war, wie Bahnhof und Eisenbahngeleise, Flugplatz usw. sehr wohl bombardiert worden. Zum anderen habe Fürth bei weitem nicht den Symbolstatus für die Nationalsozialisten besessen wie Nürnberg, als Stadt der Reichsparteitage und der Rassegesetze. Mit der jüdischen Bevölkerung in Fürth habe das nichts zu tun gehabt.

Unser 1. Vorsitzender Gerhard Danzl bedankte sich abschließend bei unserer Referentin mit einem kleinen Gastgeschenk.

Das war ein lehrreicher und erhellender Vortrag, wie ich fand.

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